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Systemisches Coaching / Training / Consulting
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Philipp Tobollik
8. Juni 2026

Wenn der Job geht und die Scham bleibt

Über Angst, mentale Gesundheit und den Weg zurück zu innerer Stärke

Es gibt diesen einen Moment. Die Tür fällt zu, das Gespräch ist vorbei, und plötzlich ist es still. Gestern hast Du noch ein Team durch einen schwierigen Launch geführt, Budgets verhandelt und schwierige Entscheidungen getroffen. Heute fragst Du Dich, wer Du eigentlich bist, wenn die Visitenkarte nicht mehr stimmt.

Vielleicht ist es schon passiert. Vielleicht liegt es noch in der Luft, als Gerücht, als Reorganisation, als dieses Bauchgefühl in jedem Meeting. Wie auch immer Du gerade dran bist, Du bist nicht allein. Und das, was Du fühlst, ist kein Zeichen von Schwäche.

Es geht selten nur um den Job

Wenn Führungskräfte ihren Job verlieren, reden sie über Zahlen, Märkte und strategische Entscheidungen. Worüber sie fast nie reden, ist die Scham. Und die Angst, plötzlich bedeutungslos zu sein. Niemanden mehr zu führen, in keiner Runde mehr gefragt zu werden, beim Familienfest auf die Frage „Und, was machst Du jetzt so?“ keine glatte Antwort zu haben.

Dazu kommt die nackte Angst vor dem, was kommt. Die Sorge ums Geld, um den Status, um das Urteil der anderen. Genau hier sitzt der eigentliche Schmerz. Und genau darüber schweigen die meisten.

Was die Schamforschung zeigt

Der Schamforscher Dr. Stephan Marks beschreibt Scham als eine Art Seismograf, als Wächterin unserer Würde. Sie schlägt immer dann aus, wenn eines von vier menschlichen Grundbedürfnissen verletzt wird: das Bedürfnis nach Anerkennung, nach Schutz, nach Zugehörigkeit und nach Integrität.

Ein Jobverlust trifft diese vier Punkte fast gleichzeitig. Die Anerkennung fällt weg. Die Sicherheit auch. Und die Zugehörigkeit zum Team löst sich von einem Tag auf den anderen auf. Kein Wunder, dass sich das anfühlt wie ein Schlag in die Magengrube.

Marks beschreibt noch etwas, das gerade für Dich entscheidend ist. Bei zu viel Scham schaltet das Gehirn in einen Überlebensmodus. Der Teil, der für klares Denken und ruhige Entscheidungen zuständig ist, fährt herunter. Du funktionierst dann nur noch, statt wirklich handeln zu können.

Und das ist die eigentliche Tragik. Ausgerechnet in der Situation, in der Du Deine ganze Kraft und Handlungsfähigkeit am dringendsten brauchst, nimmt die unbearbeitete Scham Dir genau diesen Zugang. Deshalb ist es so wichtig, sich diesen Gefühlen zu stellen, statt sie wegzudrücken. Nicht, weil das angenehm wäre, sondern damit sie Dich nicht blockieren.

Warum das auf die mentale Gesundheit drückt

Arbeit ist mehr als ein Gehalt. Die Sozialpsychologin Marie Jahoda hat schon in den 1930er-Jahren gezeigt, was sie jenseits des Geldes leistet. Sie gibt Dir eine Zeitstruktur, regelmäßige soziale Kontakte über die Familie hinaus, das Gefühl, an einem gemeinsamen Ziel mitzuwirken, einen Status und eine sinnvolle Aktivität. Fällt der Job weg, fallen all diese verborgenen Funktionen auf einmal mit weg.

Dass das an die Substanz geht, ist gut belegt. Aktuelle Studien des IAB bestätigen, dass Menschen ohne Arbeit in nahezu allen diesen Dimensionen benachteiligt sind, nicht nur finanziell. Häufige Folgen sind Anspannung, Ängste, ein angeschlagenes Selbstwertgefühl und im schlechtesten Fall depressive Symptome.

Besonders schwer wiegt der Verlust der Zugehörigkeit. Sich im Job mit den Kolleginnen und Mitarbeitern verbunden zu fühlen, dazuzugehören, ist ein Grundbedürfnis, kein netter Bonus. Die kurzen Gespräche an der Kaffeemaschine, das gemeinsame Ringen um eine gute Lösung, der Insider-Witz im Meeting. Das alles geht verloren, und es hinterlässt eine Lücke, die mit einem neuen Vertrag allein nicht zu füllen ist.

Sinn ja, Selbstauflösung nein

Sich mit seiner Arbeit zu identifizieren, ist etwas Gutes. Es gibt Dir Sinn, Richtung und Stolz. Problematisch wird es erst dann, wenn aus „Ich liebe, was ich tue“ ein „Ich bin nur etwas wert, solange ich diese Rolle habe“ geworden ist.

Wenn Dein gesamter Selbstwert an Titel, Team und Tätigkeit hängt, dann verlierst Du mit dem Job nicht nur eine Aufgabe. Dann verlierst Du Dich selbst. Hier liegt zugleich der Schlüssel zur Resilienz. Wer wieder unterscheiden kann zwischen der Rolle, die er ausgefüllt hat, und dem Menschen, der er ist, gewinnt einen inneren Stand zurück, der nicht von einer Position abhängt.

Warum ich als Kommunikations- und Konflikt-Coach darüber schreibe

Vielleicht fragst Du Dich, warum ausgerechnet ein Kommunikations- und Konflikt-Coach über Jobverlust schreibt. Die Antwort ist einfach. In dieser Phase findet das wichtigste Gespräch nicht draußen statt, sondern in Dir selbst.

Wie Du in dieser Situation mit Dir selbst sprichst, ist ausschlaggebend dafür, ob Du gestärkt wieder herauskommst oder ob Du in der Schwere stecken bleibst. Der innere Konflikt zwischen der Stimme, die Dich kleinmacht, und der Stimme, die zu Dir hält, entscheidet mehr als jede neue Bewerbung. Sagst Du Dir „Ich habe versagt“, oder sagst Du Dir „Mir ist etwas passiert, und ich finde einen Weg“? Das ist kein kosmetischer Unterschied. Das ist der Unterschied zwischen Lähmung und Handlungsfähigkeit.

Genau diese innere Kommunikation lässt sich verändern. Und genau das ist mein Thema.

Vier Schritte, die in dieser Phase wirklich helfen

  1. Der Scham einen Namen geben.
    Scham lebt im Verborgenen und wird dort größer. Sprich aus, was los ist, mit einem Menschen, dem Du vertraust. Allein das holt Dein Denken aus dem Überlebensmodus zurück.
  2. Rolle und Person trennen.
    Schreib auf, wer Du bist, ganz ohne Jobtitel. Deine Stärken, Deine Werte, die Spuren, die Du bei Menschen hinterlassen hast. Das ist die Substanz, die Dir niemand kündigen kann.
  3. Die verborgenen Funktionen bewusst ersetzen.
    Bau Dir eine Tagesstruktur, halte Kontakte aktiv, such Dir eine Aufgabe mit echtem Sinn. Das ersetzt den alten Job nicht eins zu eins, hält aber genau die Bedürfnisse wach, die sonst verkümmern.
  4. Die mentale Gesundheit ernst nehmen.
    Achte auf Dich, auf Schlaf, Bewegung und echte Pausen. Und scheue Dich nicht, Dir Unterstützung zu holen, wenn die Angst oder die Schwere zu groß werden. Das ist kein Eingeständnis von Schwäche, sondern ein Akt von Resilienz.

Wie ich Dich dabei begleite

Genau hier setzt mein Coaching an, und hier wird es richtig spannend. So schwer dieser Moment ist, er ist zugleich eine echte Chance. Die Gelegenheit, Dich neu zu sortieren, herauszufinden, was Dir wirklich wichtig ist, und mit frischer Klarheit den nächsten Schritt zu gehen.

In einem geschützten Raum, in dem Du frei denken kannst, holen wir gemeinsam Deine Stärken zurück ins Bewusstsein, die im Alltagstrubel oft untergehen. Wir verwandeln die Stimme, die Dich kleinmacht, in eine, die Dich trägt, und bringen Dich zurück in die Handlungsfähigkeit. Du gestaltest wieder, statt nur zu reagieren.

Nicht selten wird genau diese Phase rückblickend zum Wendepunkt. Zu dem Moment, in dem Menschen nicht nur eine neue Aufgabe finden, sondern ein klareres Bild von sich selbst, mehr innere Stärke und eine Souveränität, die ihnen vorher gefehlt hat.

Du musst diese Phase nicht allein durchstehen. Mit jemandem an Deiner Seite, der an Dich glaubt und Dich wirklich sieht, kommst Du nicht einfach nur durch, Du gehst gestärkt daraus hervor. Genau dafür bin ich da.

Für Fragen, oder Anregungen, schreibe mir in die Kommentare.

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Autor: Philipp Tobollik
Themen: Mentale Gesundheit · Kreativität · Selbstführung

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